Seit Juli 2016 darf ich den Bereich „Internet“ im ZDF-Fernsehrat vertreten. Was liegt da näher, als im Internet mehr oder weniger regelmäßig Neues aus dem Fernsehrat zu berichten? Eine Serie.
Im Rahmen der Medientage München 2019 durfte ich an einem spannenden Panel zum Thema „Wege zur digitalen Souveränität: Gemeinwohlorientierte Plattformen und offene Infrastrukturen“ mitwirken. Ein Video der Diskussion ist mittlerweile bei YouTube verfügbar.
Im Folgenden kurz zusammengefasst einige Punkte, die mir wichtig waren:
- Bei der Diskussion über digitale Öffentlichkeiten und gemeinwohlorientierte Plattformen sollten wir mit der Wikipedia auch die reichweitenstärkste gemeinnützige Plattform im Netz im Blick haben, um von deren Erfahrungen zu lernen. Und öffentlich-rechtliche Anbieter sollten mehr Anstrengungen unternehmen, um Inhalte so zu veröffentlichen, dass sie auch in der Wikipedia landen können.
- Wenn den dominanten kommerziellen Plattformen gemeinwohlorientierte Alternativen – quasi eine „Public Option“ – gegenübergestellt werden soll, dann muss auch anerkannt werden, worin die Stärken von YouTube und Facebook liegen: deren große Offenheit für Beiträge der Nutzerinnen und Nutzer sowie die Möglichkeit zur Interaktion, zum Beispiel in Form von Kommentaren. Öffentlich-rechtliche Plattformen nur als Ausspielstation von Inhalten zu verstehen, greift deshalb viel zu kurz.
- Alternative Plattformen lassen sich nicht am Reißbrett entwerfen. Vielmehr müssen die öffentlich-rechtlichen Anbieter die neuen gesetzlichen Spielräume nutzen, um ihre Inhalte auf gemeinsamen und offenen Infrastrukturen miteinander zu verlinken und mit alternativen, vielfaltsfördernden Empfehlungsalgorithmen zu experimentieren.
- Schließlich wurde von Mackenzie Nelson auch noch die überaus wichtige Frage aufgeworfen, um wessen „digitale Souveränität“ es bei gemeinwohlorientierten Plattformen geht und wie sichergestellt werden kann, dass diese nicht zu starkem politischen Einfluss ausgesetzt sind. Eine Frage, die mir Gelegenheit gab, für mehr Staatsferne in Aufsichtsgremien durch per Los ausgewählten „Rundfunkschöffen“ einzutreten.
